Die Figurenleiter in „Citizen Kane“

Was ist die Figurenleiter?

Kurz gesagt sind dies 7 qualitative Entwicklungsstufen, die das Figurenorchester in oftmals als „Klassiker“ bezeichneten Filmen durchläuft. Die Stufen bzw. Phasen bestehen jeweils aus polaren Gegensatzpaaren:

  1. Ordnung vs. Chaos
  2. Freier Wille vs. Unfreier Wille
  3. Ernsthaftigkeit vs. Unernst/Unbewusstheit
  4. Geduld vs. Ungeduld
  5. Barmherzigkeit vs. Unbarmherzigkeit
  6. Weisheit vs. Unwissenheit/Ignoranz
  7. Liebe vs. Hass

Woher kommt diese Struktur?

Als ich nach zahlreichen Weiterbildungen im Bereich des alten, spirituellen Wissens (u.a. bei Susanne Aubry) entdeckte, dass man insbesondere in Filmklassikern eine „höhere Ordnung“ erkennen kann, die sich aus Interpretationen der biblischen Jakobsleiter ableiten lässt, war ich sehr erstaunt. Meine Erfahrungen aus der Analyse zahlreicher Filme aus verschiedenen Top100-Listen der „Besten Filme aller Zeiten“ möchte ich hier mit euch teilen. Um subjektive Interpretationen des Filminhalts zumindest teilweise zu reduzieren, verwende ich die Inhaltsangaben von Wikipedia.de und füge lediglich die 7 Stufen als Untergliederung ein. Die Übertragungsleistung obliegt also dem geneigten Leser. So kann jeder selbst sehen, ob das für ihn stimmig erscheint.

Heute am Beispiel eines der meistgenannten der Top-Ten-Klassiker:

Citizen Kane.

Zitatnachweis: https://de.wikipedia.org/wiki/Citizen_Kane

ORDNUNG

Im Jahr 1941 stirbt der US-amerikanische Zeitungsmagnat Charles Foster Kane einsam auf seinem Privatschloss Xanadu, als er gerade eine gläserne Schneekugel betrachtet. Er haucht ein letztes Wort aus: Rosebud (dt.: Rosenknospe).

Es folgt eine Zusammenfassung seiner Biografie im Stil einer Wochenschausendung (News on the March), einzelne Lebensstationen werden beleuchtet. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, baute Kane ein Imperium auf, das aus 37 Zeitungen sowie zahlreichen Verlagen, Firmen und Immobilien bestand. Gezeigt wird ein Mensch, der stets in der Öffentlichkeit gestanden und die Massen polarisiert hat. Die Sendung entpuppt sich als Probeaufführung vor Mitarbeitern der Wochenschau. Doch der Produzent ist der Meinung, dass der richtige Aufhänger noch fehle – etwas, das die Privatperson Kane treffend charakterisiert. Er schickt den Reporter Thompson los um herauszufinden, was hinter dem letzten Wort von Kane tatsächlich steckt.

Für seine Recherche sucht Thompson verschiedene Personen und Orte auf. Zunächst versucht er, Kanes zweite Ehefrau Susan Alexander, die von ihm getrennt lebte, zu treffen. Die ehemalige Opernsängerin und jetzige Nachtclubtänzerin und Alkoholikerin weigert sich jedoch, mit ihm zu sprechen.

Der Reporter begibt sich dann in das Privatarchiv des längst verstorbenen Bankiers Thatcher, der Kanes Ziehvater war. Aus Tagebüchern erfährt man, dass Kanes Mutter Mary 1871 unerwartet zu Reichtum kam, nachdem ein säumiger Schuldner ihr ein Bergwerk überschrieben hatte, das sich später als Goldmine entpuppte. Sie beschloss, die Erträge aus dieser Mine zur Gänze in die Erziehung und Ausbildung ihres kleinen Sohnes zu investieren und gab Kane in die Hände seines neuen Vormundes Thatcher. Kane trennte sich nur widerwillig von seinen Eltern, seinen Schlitten ließ er im Schnee zurück.

FREIER WILLE

Mit Vollendung seines 25. Lebensjahres erhielt Kane die Verfügungsgewalt über sein mittlerweile umfangreiches Vermögen. Im Gegensatz zu Thatcher interessiert er sich aber nicht für Anlageobjekte wie Goldminen oder Grundstücke. Er will lieber Chefredakteur seiner Zeitung New York Inquirer werden. Kane verwandelt das seriöse Blatt in eine Boulevardzeitung, die nun hauptsächlich Klatschmeldungen und Skandalgeschichten abdruckt. Er diffamiert Unternehmen, an denen er selbst beteiligt ist – sehr zum Missfallen von Thatcher, der Kane wegen seiner linken Gesinnung und seines leichtsinnigen Umgangs mit Geld kritisiert.

Nach seinem Besuch in Thatchers Archiv sucht Thompson Kanes langjährigen Geschäftsführer und Finanzberater Bernstein auf. Dieser vermutet, dass Rosebud ein Mädchen gewesen sei oder etwas, das Kane verloren hat. Bernstein erinnert sich an die Übernahme des Inquirer durch Kane in den späten 1880er Jahren: die Umstrukturierung und Neuausrichtung der Zeitung begleitet Kane mit einer Grundsatzerklärung. Darin sichert er zu, er wolle die Bürger- und Menschenrechte seiner Leser verteidigen und eine Zeitung machen, die wahrheitsgetreu und unabhängig von Unternehmerinteressen berichtet. Diese Erklärung wird von Jedediah Leland, Kanes bestem Freund, als „historisches Dokument“ aufbewahrt. Der Inquirer wird in den folgenden Jahren zur auflagenstärksten Zeitung New Yorks.

ERNSTHAFTIGKEIT

Kane beginnt damit, antike Statuen zu sammeln, und unternimmt eine mehrmonatige Europareise. Als er zurückkommt, ist er mit Emily Norton verlobt, der Nichte des US-Präsidenten. In dieser Zeit kommt es zu ersten Differenzen zwischen Kane und Leland, unter anderem wegen ihrer gegensätzlichen Haltung zum Spanisch-Amerikanischen Krieg.

Als Nächstes sucht Thompson Leland auf, der Kane laut Bernstein am besten gekannt haben soll. Leland ist der Meinung, dass Kane immer nur an sich selbst geglaubt habe und am Ende ohne den Glauben an irgendetwas gestorben sei. Er berichtet von Kanes Familienleben: 1904 wird Kanes Sohn geboren, in den folgenden Jahren geht jedoch die Ehe mit Emily zunehmend in die Brüche, da Kane nur an seiner Arbeit interessiert ist. Auch seine regelmäßigen Attacken auf Emilys Onkel, den Präsidenten der Vereinigten Staaten, sorgen für Streit.

1916 lernt Kane die junge Susan Alexander kennen, Angestellte einer Notenhandlung und Hobby-Sängerin. Sie entwickeln Sympathien füreinander und treffen sich regelmäßig. Es bleibt offen, ob sie eine Affäre haben oder eine platonische Freundschaft. Zur gleichen Zeit kandidiert Kane bei der Gouverneurswahl, der Sieg scheint ihm sicher. Aber Jim Gettys, sein politischer Gegner, weiß von den Treffen mit Susan und stellt Kane vor die Wahl: entweder die Kandidatur niederlegen oder seine Affäre wird öffentlich gemacht. Da Kane sich weigert, berichten die Zeitungen bereits am nächsten Tag über den Skandal. Die Wahl ist für ihn verloren. Zwei Wochen, nachdem Emily sich von ihm hat scheiden lassen, heiratet Kane Susan.

GEDULD

Um der talentlosen Sängerin eine Karriere als Opernstar zu ermöglichen, errichtet er ihr in Chicago ein Opernhaus. Leland, inzwischen Theaterkritiker bei Kanes Zeitung und seit Jahren mit Kane zerstritten, wird am Abend nach der Uraufführung von Kane in der Redaktion gefunden – betrunken eingeschlafen über seiner halbfertigen Kritik. Kane schreibt „den Verriss“ so negativ zu Ende, wie Leland ihn begonnen hat, und veröffentlicht die fertige Kritik. Anschließend feuert er Leland. Emily und Kanes Sohn sterben zwei Jahre später an den Folgen eines Autounfalls.

Thompson besucht Susan Alexander ein zweites Mal. Diesmal berichtet sie ihm von ihrer Karriere als Opernsängerin. Obwohl ihre Stimme sich nicht dafür eignet, will Kane aus ihr einen großen Star machen. Ihr erster Auftritt gerät zum Debakel. Nachdem Leland wegen seines Verrisses entlassen worden ist, schickt er seinem ehemaligen Freund einen Brief. Darin befindet sich ein zerrissener Scheck über 25.000 Dollar, den ihm Kane als Abfindung hat zukommen lassen, und die Grundsatzerklärung über die journalistischen Werte des Inquirer, die Kane Jahre zuvor geschrieben hat. Susan, deren Sangeskünste überall auf Ablehnung stoßen, weigert sich, weiterhin aufzutreten, doch Kane zwingt sie dazu.

BARMHERZIGKEIT

Erst nach einem missglückten Selbstmordversuch darf Susan ihre Gesangslaufbahn beenden. In den folgenden Jahren beginnt Kane mit dem Bau von Xanadu, wo beide fortan einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Susan hasst die Abgeschiedenheit des Palastes und will nach New York zurück. Auf einem Ausflug kommt es zu einem heftigen Streit zwischen den beiden; kurze Zeit später verlässt sie ihn.

WEISHEIT

Am Ende fährt Thompson nach Xanadu, wo Kanes enorme Besitztümer sortiert werden. Dort trifft er auf den Butler Raymond, der als einziger dabei war, als Kane gestorben ist. Raymond berichtet von Susans Abreise aus Xanadu und der Zuschauer sieht, wie Kane in seinem Zorn Susans Zimmer zerstört und dabei eine Schneekugel findet, die ihn an seine Kindheit erinnert – an den Tag, an dem er seine Eltern verlassen musste.

LIEBE

Thompson beendet seine Suche mit der Vermutung, dass Rosebud etwas sei, das Kane – im Gegensatz zu allen anderen Dingen – nicht bekommen konnte oder das er wieder verloren hatte. Die letzte Einstellung des Films zeigt, wie Kanes wertlose Besitztümer in einem großen Ofen verbrannt werden, darunter auch sein alter Schlitten aus Kindheitstagen – mit der Aufschrift Rosebud.

 

Die Figurenleiter in „Casablanca“

Heute beginne ich meine kleine Reihe von Filmklassiker-Analysen in Bezug auf das Strukturmodell der „Figurenleiter“.

Was ist die Figurenleiter?

Kurz gesagt sind dies 7 qualitative Entwicklungsstufen, die das Figurenorchester in oftmals als „Klassiker“ bezeichneten Filmen durchläuft. Die Stufen bzw. Phasen bestehen jeweils aus polaren Gegensatzpaaren:

  1. Ordnung vs. Chaos
  2. Freier Wille vs. Unfreier Wille
  3. Ernsthaftigkeit vs. Unernst/Unbewusstheit
  4. Geduld vs. Ungeduld
  5. Barmherzigkeit vs. Unbarmherzigkeit
  6. Weisheit vs. Unwissenheit/Ignoranz
  7. Liebe vs. Hass

Woher kommt diese Struktur?

Als ich nach zahlreichen Weiterbildungen im Bereich des alten, spirituellen Wissens (u.a. bei Susanne Aubry) entdeckte, dass man insbesondere in Filmklassikern eine „höhere Ordnung“ erkennen kann, die sich aus Interpretationen der biblischen Jakobsleiter ableiten lässt, war ich sehr erstaunt. Meine Erfahrungen aus der Analyse zahlreicher Filme aus verschiedenen Top100-Listen der „Besten Filme aller Zeiten“ möchte ich hier mit euch teilen. Um subjektive Interpretationen des Filminhalts zumindest teilweise zu reduzieren, verwende ich die Inhaltsangaben von Wikipedia.de und füge lediglich die 7 Stufen als Untergliederung ein. So kann jeder selbst sehen, ob das für ihn stimmig erscheint.

Beginnen möchte ich mit einem Klassiker der Klassiker: Casablanca.

Zitatnachweis: https://de.wikipedia.org/wiki/Casablanca_(Film)

Casablanca 1942

ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Michael Curtiz aus dem Jahr 1942. Er verbindet Stilelemente eines Melodrams mit denen eines Abenteuer- und Kriminalfilms. Casablanca entstand unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs und enthält eine starke politische Komponente durch den Einsatz Hollywoods gegen das nationalsozialistische Deutschland.

ORDNUNG

Der Film spielt während des Zweiten Weltkriegs. Frankreich ist von der deutschen Wehrmacht erobert und teilweise besetzt, nicht dagegen das französische Protektorat Marokko, das zu Französisch-Nordafrika gehört und damit durch das Vichy-Regime verwaltet wird. Viele fliehen nach Casablanca, um dort einen Flug ins neutrale Lissabon zu ergattern, von wo aus sie hoffen, weiter nach Amerika gelangen zu können. Die meisten der Flüchtlinge gelangen allerdings nicht über Casablanca hinaus. Der korrupte französische Polizeichef Capitaine Louis Renault, der mit den Deutschen zusammenarbeitet, erteilt Transit-Visa nur gegen Bezahlung mit Geld oder Sex. Zwielichtige Gestalten wie der Italiener Ugarte bieten Visa auf dem Schwarzmarkt gegen Höchstbeträge an.

FREIER WILLE

Darüber hinaus hält sich in der Stadt der Amerikaner Rick Blaine auf, dessen Nachtclub Rick’s Café Américain Treffpunkt vieler Emigranten ist. Rick hat in den 1930er Jahren Waffenschmuggel für das von Italien angegriffene Äthiopien betrieben und auf der Seite der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft. Inzwischen ist er jedoch ein desillusionierter Zyniker geworden, der, wie er sagt, kein Interesse mehr daran hat, für andere den Kopf hinzuhalten.

ERNSTHAFTIGKEIT

Als eines Tages zwei deutsche Offiziere ermordet und die Transit-Visa gestohlen werden, die sie bei sich getragen haben, nimmt die Polizei sich vor, in Ricks Café Ugarte zu verhaften, den sie als den Täter ermittelt hat. Ugarte bittet seinen Bekannten Rick, für ihn die Transit-Visa aufzubewahren, bis die Aufregung sich gelegt habe; Rick versteckt die Dokumente im Klavier seines Pianisten Sam. Ugarte wird am Abend in der Bar durch Renaults Leute festgenommen und kurze Zeit später getötet. Die Visa bleiben unentdeckt.

Rick erfährt von Renault, dass der berühmte und einflussreiche tschechische Widerstandskämpfer Victor László, der den Nazis schon mehrmals entkommen ist, auf dem Weg nach Casablanca sei. László will sich mit seiner Frau Ilsa Lund nach Amerika absetzen, während der deutsche Major Strasser ihm nach Casablanca hinterher reist, um ihn daran zu hindern.

László benötigt zwei Transit-Visa und sucht mit Ilsa Ricks Lokal auf. Ilsa ist eine ehemalige Geliebte Ricks. Die beiden haben sich ein Jahr zuvor in Paris kennengelernt und haben eine leidenschaftliche Affäre gehabt. Ilsa erkennt Sam wieder und bittet ihn, den Song As Time Goes By zu spielen, wie er es auch in Paris immer für sie getan hat. Rick stürmt, als er das durch ihn verbotene Lied hört, herein und ist erschüttert, als er Ilsa gegenübersteht – sie hat ihm damals das Herz gebrochen. Er und sie hatten Paris gemeinsam verlassen wollen, als die Deutschen in Frankreich einmarschierten, Ilsa war damals aber nicht am vereinbarten Treffpunkt erschienen und hatte ihn wissen lassen, dass sie nicht mit ihm gehen könne.

GEDULD

László versucht währenddessen überall in Casablanca, Transit-Visa aufzutreiben. Als ihm geraten wird, es bei Rick zu versuchen, bietet er diesem für die Dokumente 200.000 Franc. Rick, wegen Ilsa gekränkt, weigert sich, dem Rivalen zu helfen. Er gibt nicht einmal nach, als Ilsa ihn mit einer Pistole bedroht, schwenkt aber um, als sie ihm offenbart, dass sie ihn immer noch liebt, während sich andererseits herausstellt, dass sie schon in Paris mit László verheiratet gewesen und lediglich zunächst davon ausgegangen war, dass die Nazis diesen umgebracht hätten; als sie erfahren hatte, dass László noch lebte, war sie zu diesem zurückgekehrt und hatte Rick verlassen.

BARMHERZIGKEIT

In der Zwischenzeit verhaftet Renault László aufgrund seiner Teilnahme an einem illegalen Meeting. Rick gewinnt Renault für den Pakt, László wegen Mordes an den deutschen Kurieren an die Polizei auszuliefern, wenn im Gegenzug er und Ilsa unbehelligt das Land verlassen dürfen. Am Abend kommt es im Café Américain zu einem fingierten Treffen von Rick, Ilsa und László. Als Rick Anstalten macht, László die Transit-Visa zu übergeben, bemüht Renault sich, den Kunden zu verhaften. Rick bedroht Renault mit einer Waffe und fährt mit ihm, Ilsa und László zum Flughafen.

WEISHEIT

Dort besteht Rick darauf, dass Ilsa mit László gehe. Er lässt sie ziehen, gerade weil er sie liebt und weil László ihrer, wie ihm scheint, stärker bedürfe als er. Ilsa zögert unterdessen und steigt erst in das Flugzeug, als Rick László zu verinnerlichen geholfen hat, wie sehr er von Ilsa geliebt wird und wie endgültig die Pariser Affäre der Vergangenheit angehöre.

LIEBE

Als kurz darauf Strasser am Flughafen eintrifft und den Kontrollturm verständigen will, um Lászlós und Ilsas Abflug in letzter Sekunde zu verhindern, wird er durch Rick erschossen. Renault entdeckt überraschend seinen Patriotismus und schützt Rick, indem er die herbeieilenden Polizisten anweist, „die üblichen Verdächtigen“ zu verhaften. Der Film endet mit Ricks Worten: „Louis, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“